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England 2010/2011 – Weniger bekannte Gartenparadiese in KENT

Für 1 Jahr hatten wir ein 500 Jahre altes Farmhaus in Chilham bei Canterbury gemietet: a dream! Mitten in Kent, dem Garten von England, war ich sozusagen im Auge des Garten-Wirbelsturms. Viele Wochen bin ich flott wie die Briten über die schmalen Sträßchen zwischen hohen Hecken gesaust und habe unzählige Traumgärten angesteuert. Allein 5 mal Sissinghurst und Great Dixter: unglaublich, was sich immer in den Beeten entwickelt hatte.

Hier vorstellen möchte ich aber weniger bekannte Kleinode englischer Gartenkunst, in den lieblichen Hügeln der Grafschaft Kent gelegen. Viel Spaß hatte ich mit den englischen Gartenenthusiasten und vielleicht wird ja mal ein schönes Buch daraus. Falls ich die Zeit finde, denn meine Gärten in Köln und Kerikeri (Neuseeland) wollen auch beackert sein. Nun wünsche ich viel Spaß beim Gartenspaziergang. Das Original-Rezept für Tea Time Scones gibt es in meinem Buch „Gärten im englischen Stil“.

Chilham Castle Garden (www.chilham-castle.co.uk)
Dies ist endlich mal ein echter Geheimtipp! Der Garten hat allerdings in der Saison auch nur an jedem 2. Dienstag im Monat geöffnet und ist sehr privat. Das herrliche Schloss, Park und Garten wurden vor 10 Jahren aufs Feinste renoviert. Im Park hinterließ gar Capability Brown seine Spuren, und der Pracht-Nutzgarten wurde, wie die Border, von Lady Mary Keen gestaltet. Hinter riesigen Taxus-Formschnitten, die wie wackelige Hochzeitstorten auf einer Mauer thronen, schweift der Blick über die rollenden Hügel der North Downs. Das mittelalterlich Dorf Chilham, Drehort von Jane-Austen-Filmen, ist einfach zauberhaft und für mich das schönste Dorf in Kent.

Belmont House & Garden (www.belmont-house.org)
Das Haus sieht etwas einsam aus, weil ein Trust es verwaltet und es unbewohnt ist. Der Walled Garden ist bescheiden, aber der Küchengarten fantastisch. Kein Wunder, denn 2001 wurde er nach dem Design von Lady Arabella Lennox-Boyd (mehrfache Gold-Gewinnerin der Chelsea Flower Show) restauriert. Es ist eine charmante Mischung aus Rasenflächen, einem kleinen weißen Garten und dem formalen, reichhaltigen Nutzgarten. Niedrige Spalierobst-Zäune umfassen die perfekten und schnurgeraden Gemüsebeete. 4 gegenüber liegende Laubengänge lassen Köstlichkeiten scheinbar gleich in den Mund wachsen. Besonders genial ist eine große, halbkreisförmige Fläche aus Rasen und Wegen, an deren Kreuzungspunkten sich elegante Lauben aus Gold-Hopfen erheben. Der Garten ist jeden Tag des Jahres geöffnet von 10-18:00

The Salutation – The Secret Garden of Sandwich (www.the-secretgardens.co.uk
Für mich die beste Neugestaltung bzw. Renovierung eines Gartens in England seit vielen Jahren. Der vergessene, verwilderte Garten und das stilvolle Haus vom stammen aus der Feder des berühmten Paares Gertrude Jekyll und Edwin Lutyens. Die Besitzer weckten das Ensemble aus dem Dornröschenschlaf und verwandelten es in ein charmantes Hotel mit gleichem Namen: himmlisch lässt es sich hier wohnen. Der Garten wurde vom nimmermüden Headgardener Steve Edney mit großer Kenntnis und zum Glück auch Budget sensationell neu gestaltet, aber im Sinne der guten, alten Gertrude. In Frühling verwandelt sich der Garten in einen kleinen Keukenhof mit sehr viel Pfiff. Der Tea Room ist sehr hübsch, die Schokoladen-Tea Time außerirdisch, serviert wird allerdings im Schneckentempo wohl nach dem Motto: Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten (indische Weisheit)

Englischer Lavendel – Downsderry Lavender und The Hop Shop (www. downderry-nursery.co.uk und www.hopshop.co.uk)

Englischer Lavendel hört sich für manchen merkwürdig an, ist die lila Duftpflanze doch Synonym für die Provence. Aber Lavendel ist eine uralte und stets beliebte Gartenstaude in England und gedeiht so gut wie in ihrer mediterranen Heimat. Englische Gärtner lieben Lavendel und englische Ladies per se: ob als Seife, Potpourri oder lavendelfarbenes Twinset. Die Gärtnerei Downderry bietet unzählige Sorten an wie den Klassiker Hidcote Blue oder ganz hohe Sorten bis zum weißem Lavendel. Besondere Genüsse kann man auf der Castle Farm mit dem Hofladen „The Hop Shop“ in Shoreham während des Lavendel-Festivals erleben. Nicht nur Lavendel in jeglicher Form sind im Angebot von Sträußchen, über Öl bis zu seifig schmeckenden Lavendel-Plätzchen. Der Hit ist eine Aromatherapie-Massage mitten in den lila Blütenwällen: Lavender my Love!

Godington House & Gardens (www.godinton-house-gardens.co.uk)
Dieser Garten ist auch fast ein Geheimtipp mit noch wenigen Besuchern. Unweit der Autobahn M 20, Höhe Ashford, liegt Godington auf dem Weg von Dover/Folkestone in Richtung London. 5 ha stiller Garten ohne Busladungen sind das Geschenk eines spendablen Trusts, der Herrenhaus und Garten vor einigen Jahren übernommen hat. Das elegante Haus kann während einer unterhaltsamen Führung genossen werden. Der Tea Room ist sehr empfehlenswert, weil stilvoll und leckere Kuchen im Angebot sind. Schon die Anfahrt mit Blick auf das Manor Haus (1620), eingefasst von Hecken wie Mauern mit Zinnen, ist ein Augenschmaus. Ein traditioneller Rosengarten und das modische Doppelborder mit viel schwarzen und silbernen Blättern sind auf hohen Niveau. Zur Nachahmung empfehle ich gerne mein Buch „Eleganz im Beet – Silberne, goldenen und schwarze Pflanzen“. Ein weiteres Highlight ist der italienische Garten. Wenn die Wisterie, die sich um Sandsteinsäulen räkelt, ihre ellenlangen, weißen Blütentrauben wie einst Rapunzel ihr Haar herabhängen lässt, dann ist das Romantik pur. Der riesige Küchengarten beherbergt nicht nur die nationale Sammelung von Rittersporn („whow“!), sondern läuft im Spätsommer zu prachtvoller Üppigkeit auf. Godington ist von März bis November jeden Tag geöffnet (14 – 17:30) und immer sehenswert.

Mount Ephraim Gardens (www.mountephraimgardens.co.uk)
Unweit von der historischen Stadt Canterbury und nahe dem hübschen Faversham in Wein- und Obstanbau-Hügeln gelegen, fährt man durch eine herrliche Landschaft, vorbei an niedlichen Dörfchen. Dieser recht unbekannte Garten ist seit 300 Jahren im Besitz der selben Familie. Sehr italienisch mutet der um 1900 entstandene Garten an. 2004 wurde ein Irrgarten aus Gräsern und Stauden angelegt. Verlaufen ist kein Problem in diesem „Mizmaze“, das nach dem Vorbild mittelalterlicher 9-Kreise-Labyrinthe gepflanzt wurde, die damals Mönche zum Meditationen nutzten. Höhepunkt vom Mount Ephraim ist der Formschnitt-Garten. Aufgereiht türmen sich dort die skurrilsten Taxus-Figuren auf von Elefant, über Eichhörnchen bis zu Fantasiegebilden. Am Ende der Figuren-Reihe schließt sich ein kleiner Rosengarten an, in dem im Juni ein Meer von Blüten und Duft wogt. Zur Tea Time stehen im Haus gewaltige Torten - natürlich home made - bereit, die stimmungsvoll mit köstlichem Tee auf der Terrasse unter Sonnenschirmchen mit Blick auf die Taxus-Ungeheuer genossen werden können. Alles ist sehr familiär und authentisch. Die Wolle der plüschigen Lamas kann sogar erworben werden.

                                 Ein Englischer Garten in Köln